Beim ersten Anziehen wirkt der Wanderstiefel sehr hart und steif. Der Trail Guide ist durchgehend mit Glattleder bzw einem Gewebe gefüttert und am Schaft auch weich gepolstert. Trotzdem spürt man sofort die Steifigkeit des Schuhs. Die Zunge ist bis auf Höhe des siebten (vorletzten) Schnürhakens mit dem Schaft verbunden. So soll der Schuh bis oben hin wasserdicht sein. Das wird dieser Praxistest noch zeigen. Zumindest kann man durch diese Befestigungsposition die Zunge so weit nach vorne klappen, dass ein Anziehen problemlos und einfach möglich ist. Man schlüpft in den Wanderstiefel wie in bequeme Hausschuhe. Da bis zum Tiefzughaken von Jack Wolfskin am Mittelfußbereich nur Schnellschnürösen verarbeitet wurden kann man so leicht und schnell den unteren Bereich des Trail Guide schließen. Einfach beide Schnürsenkel fest in die Hand nehmen und das Bein strecken. Der Schuh umschließt den Fuß sehr angenehm. Die Schnürung wird durch einen Schlag um die Tiefzughaken fixiert. Das weitere Schließen erfordert durch die offenen Zughaken wie immer ein wenig Übung. Die Kordeln springen am Anfang gern aus den Haken, wenn sie nicht tief genug durchgezogen werden. Hier erfordert das Anziehen Geschicklichkeit und auch Kraft. Mit einem Schlag unter den Tiefzughaken auf der Zunge wird der Druck angenehm auf das untere Schienenbein übertragen. Der Schaft ist dagegen so steif, dass er den Fuß oberhalb des Sprunggelenks beim ersten Tragen noch nicht 100%ig umschließt.
Der Trail Guide fühlt sich insgesamt sehr angenehm an. Der gesamte Knöchelbereich und die Zunge sind dick und weich gepolstert. Der Druck auf die Achilles-Sehne ist auch bei strammer Schnürung nicht unangenehm. Bereits beim ersten Tragen im flachen Gelände passt sich der Wanderstiefel der Fußform des Trägers perfekt an. So ist schnell die typische Einschnürung unterhalb des Sprunggelenks von Außen her sichtbar. Die Ferse ist angenehm im Fersenkasten fixiert und so wird der Fuß beim Auftreten stabil geführt. Das Lederfutter ist im oberen Schaftbereich perforiert und sorgt so bei jedem Schritt für Luftzirkulation am Bein. So ist das Schuhklima immer angenehm. Auch auf mehrstündigen Wanderungen bei 30 Grad Celsius stellt sich kein Gefühl des Fuß-Schwitzens ein. Man läuft subjektiv trocken. Selbst Bachdurchquerungen nimmt der Schuh locker hin. Der Trail Guide hält Wasser souverän draußen. Er ist absolut wasserdicht.
Die sehr steife
Vibram-Sohle dämpft hervorragend. So sind auch Passagen über felsigen Grund oder Straßen angenehm zu laufen. Über nasse Felsen wandert man ebenfalls entspannt und sicher, da die Sohle rutschfest ist und dem Trail Guide sicheren Halt auf allen Wegen garantiert. Der Wanderstiefel rollt definiert ab und man läuft sehr knieschonend. Und wenn man mal aus Versehen zu beherzt ins Gelände treten sollte, gibt der umlaufende Gummirand den Zehen hervorragenden Schutz.
Den Trail Guide sollte man in Bezug auf den stützenden Sitz des Schafts unbedingt im flachen Gelände einlaufen. So wird der Schaft weich und kann sich auch oberhalb des Sprunggelenks gut um den Fuß bzw. das Bein schließen. Beim Test haben vier mal eine Stunde Wandern/Spazierengehen vollkommen ausgereicht. Danach war der Schaft geschmeidig und bergfit. Über das Tragegefühl und die Fuß-Fixierung kann man wirklich nichts Negatives berichten. Der Schuh ist entgegen des robusten und steifen Ersteindrucks von Anfang an weich am Fuß zu tragen. Dabei gibt der Trail Guide trotzdem viel Halt. Lediglich die Zunge färbt stark ab. So hat man nach dem ersten Vier-Stunden-Trek auch das erste Paar Socken am Spann intensiv braun eingefärbt. Dieser unschöne Fleck ist auch mit Waschen nicht zu entfernen. Somit sind dunkle Socken dringend angeraten.
Nach der Wanderung sollte man die Innensohlen immer entfernen und zum lüften bzw. trocknen aufstellen. Da der Trail Guide im Fußbereich mit einem Polyestergewebe gefüttert ist, ist er am nächsten Morgen auch komplett von innen getrocknet. So stellt sich beim Wandern auch niemals ein unangenehmes Gefühl von Feuchte oder gar ein quietschendes Geräusch ein. (
weniger)