Der erste Eindruck des Garmin GPSMap 62st erinnert ein wenig an ein altes, zu groß geratenes Handy. Im Vergleich zum älteren GPSMap 60CSx hat sich der Aufbau wenig geändert. Den größten Teil der Vorderseite nimmt das Display ein, darunter befindet sich das Bedienfeld. Um eine Cursor-Wippe sind 8 weitere Bedientasten angeordnet. Auf der Rückseite befindet sich das Batteriefach, das sich mit Hilfe einer viertel Umdrehung der Befestigungsschraube ohne Werkzeug leicht öffnen lässt. Die Batterien saßen stets sehr stramm, wodurch sogar bei einem Wechsel Werkzeug von Nöten war. Der mitgelieferte Karabiner lässt sich über ein Schiebe- und Einrastmechanismus an dem Batteriefach befestigen. Direkt darüber sitzen, unter einer Gummilasche versteckt, ein Mini-USB-Anschluss zur Verbindung mit dem PC und ein MCX-Anschluss für eine externe Antenne. Die Verarbeitung macht einen guten Eindruck, auch wenn bei unserem Testmodell das in Foren bereits bekannte „Knarzen„ durch Drücken des Gehäuses hervorgerufen werden kann.
Bereits bei dem ersten Einschalten fällt die unglaubliche Funktionsvielfalt auf. Die Bedienung ist für technikversierte Outdoor-Freunde selbsterklärend und über die 8 Tasten und die Bedienwippe intuitiv verständlich. Über ein sogenanntes Seitenband gelangt man zu den 5 voreingestellten Menüpunkten „Karte“, „Kompass“, „Reisecomputer“, „Höhenprofil“ und „Hauptmenu“. Über verschiedene vorinstallierte Profile wie „Freizeit“, „Geocoaching“, „Fahrzeug“, „Marine“ etc. verändern sich die Menüpunkte sowohl im Aussehen, als auch in den angezeigten Werten. Zusätzlich lässt sich jedes einzelne Menü durch Unmengen an verschiedenen anzuzeigenden Werten individuell nach den Bedürfnissen und Vorlieben einstellen. Neben allen möglichen Durschnitts-, Maximal-, Gesamt-, Strecken-, Geschwindigkeits- und anderen Werten – die wir auf Grund der Übersichtlichkeit nicht alle einzeln aufzählen – lassen sich selbst Werte wie „Sonnen-“ und „Mondaufgang“ und die besten „Jagd-“ und „Angelzeiten“ darstellen.
Die Funktionsvielfalt des Garmin GPSMap 62st wirkt quasi unendlich, Wegpunkte, Routen, Tracks, Navigieren etc. Dadurch bekommt man, gerade zu Anfang, schnell das Gefühl, davon erdrückt zu werden und niemals alle Funktionen ausschöpfen zu können, Erfreulicherweise verfliegt dieses Gefühl nach einigen Tagen in der Anwendung auch wieder. Für die Käufer, die gleich nach dem Kauf starten wollen, hat Garmin bereits eine kluge Vorauswahl der Menüpunkte getroffen, nur die voreingestellte Entfernungsangabe in Meilen wird den meisten Anwendern ein wenig Kopfrechenarbeit bescheren.
Positiv aufgefallen sind die durchdachte Menüstruktur und die vielen Shortcuts, die man nach einiger Verwendung verinnerlicht hat. Das Menü und die Kartendarstellung beim Herein- und Herauszoomen wirken manchmal etwas träge.
Schade ist, dass eine Bedienungsanleitung nur in digitaler Form als PDF-Datei auf dem GPSMap 62st verfügbar ist und lediglich eine Schnellstartanleitung in ausgedruckter Form beigelegt wurde. Dafür befindet sich diese Bedienungsanleitung in 14 Sprachen auf dem Gerät. So kann man auch in 14 Sprachen um Hilfe fragen.
Besonders das Display konnte überzeugen. Wie auch schon bei dem Vorgänger benötigt man bei Tageslicht keinerlei Beleuchtung, was auf Dauer sehr akkuschonend ist. Bei Dunkelheit leuchtet das Display bei jedem Tastendruck eine selbst festgelegte Zeit und verdunkelt sich ohne weitere Betätigung von alleine wieder. Diese Funktion hat sich auf Dauer als sehr nützlich erwiesen.
Die vorinstallierten Freizeitkarten von Europa bieten schon eine Fülle an Details. Wälder, Straßen, Flüsse und weitere Details werden bereits dargestellt. Zum tracken der gelaufenen bzw. gefahrenen Strecke oder zum Navigieren vorher auf das Gerät geladener Routen ist sie völlig ausreichend. Verblüffend wird’s jedoch mit dem Topo Deutschland 2010 Kartenmaterial.
Mit unglaublicher Detailverliebtheit sind alle Häuser und noch so kleine Wald- und Feldwege, Bäche und Tümpel dargestellt. Jeder, der über ein Garmin verfügt und gerne abseits der Straßen unterwegs ist, sollte auf Kurz oder Lang über eine Anschaffung nachdenken. Wer sich zuerst ein Bild von der Detailfülle machen möchte, kann sich kostenlos einige bestimmte Beispiel-Kartenabschnitte bei Garmin herunterladen.
Schließt man das Gerät über den Mini-USB-Anschluss an einen PC, werden – bei eingelegter micro-SD-Karte – 2 Laufwerke angezeigt, einmal die Karte und einmal das Navi selbst. Getrackte Routen lassen sich einfach aus dem Gerät herauskopieren und z.B. in Google Earth öffnen und man erhält seine abgelaufene Strecke auf Satellitenbildern nachgezeichnet. Dank des sogenannten Garmin Communicator Plug-In und dem Menüpunkt „my-Start“ auf der Garmin-Homepage kann man automatisch erkennen lassen, welches Navigationssystem man hat, und ob ein Update für das Navi selbst oder evtl. auch ein Kartenupdate zur Verfügung steht. Zusätzlich kann man kinderleicht von anderen Nutzern hochgeladene Routen auf sein eigenes Gerät spielen.
Die zusätzlich erhältliche Lenkerhalterung ist für die Verwendung auf dem Rad wärmstens zu empfehlen. Zwar reicht auch der Karabiner grundsätzlich aus, aber es ist nervig ständig auf das „irgendwo hängende“ Gerät schauen zu müssen. Während der Wanderung jedoch verrichtete der Karabiner gute Dienste.
Da keine Schutzhülle im Lieferumfang enthalten ist, sollte gleich beim Kauf über die Anschaffung einer solchen oder zumindest einer Schutzfolie für das Display nachgedacht werden.
Wer vorhat, das GPSMap 62st zum tracken seiner Route einfach nebenbei laufen zu lassen, sollte unbedingt die Energiesparoption einschalten, wodurch sich das Display bei Nicht-Benutzung ausschaltet. Bei dem Einsatz in kälteren Gebieten sollte zusätzlich auf Lithium-Batterien zurückgegriffen werden, da das Gerät selbst bei einer Durchschnittstemperatur von ca. 7°C mit der Zeit spürbar auskühlt und Alkaline-Batterien bei Kälte ihre Leistung schneller verlieren.
Ein Satellitenempfang ist außerhalb von Gebäuden sofort vorhanden. Die Eigenschaft, wasserdicht zu sein, wurde mehrmals unter Beweis gestellt. Selbst bei starken Regenschauern hielt das Gerät vollkommen dicht. Das entspannt den Anwender sehr.
Ärgerlich ist das immer noch bestehende Problem des barometrischen Höhenmessers, der bei jedem Tastendruck oder Druck auf das Gehäuse eine kurze, teils starke Erhöhung oder Verringerung der momentanen Höhe aufzeichnet. Wer bei der Wanderung viel mit dem Navigationsgerät „herumspielt“, hat dadurch am Ende des Tages vollkommen verfälschte Daten, was die zurückgelegten Höhenmeter betrifft.
Ebenfalls unangenehm aufgefallen ist das Schreiben und Umbenennen von Dateien auf dem Gerät, das sehr mühsam und zeitaufwendig ist. (
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