Mit Rad, Quad, Landrover oder Boot outdoor Unterwegs

15.04.2009
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Name: Hato El Frio
Location: Apurito, Venezuela
Art: Jeepsafari mit Tierbeobachtungen
Länge:
Dauer: 4 Stunden
Höhenunterschied:
Text & Bild: Franziska Ehrhardt

Venezuela: Von Wasserschweinen und Kaimanen

Die Viehfarm Hato el Frio mit rund 45.000 Rindern ist üppig grün und idyllisch angelegt. Der Name Hato ist die Umschreibung für eine typische, großflächige Viehfarm, wie man sie häufig in den Llanos von Venezuela findet. Neben dem Betrieb als Viehranch ist das Hato El Frio eine biologische Forschungsstation des WWF, das seit 20 Jahren als Hauptprojekt die Wiederansiedlung des fast ausgestorbenen Orinoko-Krokodils in den Llanos verfolgt. Im Laufe der Zeit ist es den Biologen gelungen, 600 Exemplare auszuwildern, die sich nun zumeist auf dem geschützten Gelände des Hato el Frio weiter vermehren. Der Erlös aus den Besuchen im Hato el Frio kommt diesem und weiteren Projekten dieser Station zugute und sichert ihren Fortbestand. Von der Farm starten Jeepsafaris in die Umgebung.
Bei gleißendem Sonnenschein und erfrischenden Temperaturen begann unser Ausflug. Wir wurden auf zwei an den Seiten offenen und mit einem Sonnendach versehenen Jeeps verteilt. Um dem Fahrer das Signal zum Halten zu geben, sollten wir lautstark auf das Autodach klopfen, was wir in den folgenden Stunden nur allzu gern taten. Der Guide saß bei uns im Jeep und erklärte mit Vogelbuch und Fernglas bewaffnet, die sich um uns befindende Fauna. Noch auf der Farm legten wir den ersten Stopp ein. In einem Baum am Straßenrand wurden mehrere Leguane ausgemacht, die sich innig an das Holz schmiegten, wobei ihre drahtigen Körper von der Sonne umspielt wurden. Ihre Tarnung war gut, aber unser Auge besser. Zudem nahmen wir hoch oben im geäst einen Huckel war, den wir nur schwer zuordnen konnten. War der Huckel nur ein Auswuchs des Baumes oder handelte es sich am Ende doch um ein Tier? Wir zückten den Feldstecher und zogen unseren Guide hinzu. Und tatsächlich, beim dem Huckel handelte es  sich um einen Vogel - den Potoo.

Über die Landstraße bogen wir bald auf eine Sandpiste ab, die links und rechts einen weiten Blick ins unendlich weite Land zuließ und die wohl typische Llanos-Gegend offenbarte, die für Wasserschweine, Vögel, Brillencaimane, Anakondas und Schildkröten ein feucht-grünes Paradies darstellt. Zu den von uns beobachteten Vögeln zählte der Jabiru-Storch, der Tigerreiher, tropische Kibitze mit Jungtieren, der Schopf-Karakara u.v.m. Wir konnten uns die zahlreichen Namen gar nicht merken. Da unser Guide beim Erklären immer den Namen des Vogels und die Nummer, unter der dieser im Vogelbuch zu finden war, nannte, waren uns bald die Nummern geläufiger. Häufig riefen wir nur noch: "Schaut mal, da oben fliegt Nummer 8." Das führte jedes Mal zu schallendem Gelächter, aber auch dazu, dass wir die eigentlichen Namen bald vergessen hatten.
Auf der mehrstündigen Safari sahen wir Hunderte von Wasserschweinen: Ausgewachsene, Jungtiere und ganze Familien. Wir erlebten, wie der Nachwuchs gesäugt wurde oder sahen eine Wasserschweinfamilie mit mehr als zehn Jungen in Reihe und Glied durch das Nass waten. Das eine oder andere Schwein peste direkt vor bzw. hinter unserem Jeep über die Sandpiste oder befand sich Auge in Auge mit einem Brillenkaiman. In der ersten Stunde wurde für beinahe jedes Wasserschwein gehalten. Besonders Ines schien besessen von diesen possierlichen Tierchen. Unter schallendem Gelächter aller wurden sogar erste Namen verteilt.

Wir erfuhren, dass für Raubtiere wie die Anakonda die Wasserschweine einen willkommenen Leckerbissen darstellen. Anakondas sind ihrerseits hervorragende Schwimmer, die bis zu zehn Minuten ohne Luft auskommen können. Sobald sie das Wasserschwein gefasst haben, wird es so lange gewürgt bis sein Herz aufhört zu schlagen. Das Nagetier wird in einem Stück verschlungen, während die Verdauung mehrere Wochen in Anspruch nimmt. In der feuchten Jahreszeit, in der es häufig Überschwemmungen gibt, erhoffen sich auch Aasgeier etwas Abwechslung in ihrem Speiseplan. Zu dieser Zeit gibt es bei den Wasserschweinen Nachwuchs, der eine begehrte Beute für die hungrigen Vögel darstellt. Die Jungtiere sind jedoch wehrlos gegenüber den scharfen Geierschnäbeln, und auch die Mütter haben kaum eine Chance zur Gegenwehr. Es bleibt nur die Flucht ins Wasser, wo aber schon die Kaimane lauern...

Während der Safari sahen wir unzählige Kaimane am Ufer oder auf kleinen im Wasser liegenden Landzungen. Ihre Körper waren grundsätzlich der Sonne zugewandt, die Augen geschlossen und das Maul mit dem gezackten Gebiss leicht geöffnet. Das Maul der Kaimans erweckte aufgrund seiner Struktur den Eindruck, als wenn das Tier einen anlächelt. Aber sind die kleinen Schleckmäuler deshalb gleich lieb und nett? Wir vertieften das nicht weiter, denn plötzlich kam der andere Jeep zum Stehen. Unser „Buschmann“ Gerhard, der im ersten Jeep saß, hechtete auf die Straße. Irgendetwas im flachen Buschwerk am Straßenrand zog seine volle Aufmerksamkeit auf sich. Erst schlich er sich näher, dann bückte er sich. Als nächstes hockte er sich hin, kroch ein Stück vorwärts bis er schließlich auf dem Boden liegend auf allen Vieren weitere Millimeter an das unbekannte Wesen heranrobbte. Wohlgemerkt stets seinen Fotoapparat im Anschlag. Es war ein Bild für die Götter. Wir wussten nicht, was das Objekt der Begierde war, dankten aber dafür, an dieser einzigartigen Studie menschlichen Verhaltens teilhaben zu dürfen. Abrupt stand Gerhard auf - das Tier war entwischt. Es handelte sich, wie wir im Nachhinein erfuhren, um eine Kanincheneule, die vermutlich ab sofort total verstört durch die venezolanischen Llanos irren wird. Ich hoffe, Gerhard ist vor ihrer Flucht noch eine Aufnahme geglückt. Verdient hatte er sich das mit seinem Einsatz allemal.

Neben den üblichen Verdächtigen hofften wir natürlich auch, eine Anakonda zu Gesicht zu bekommen. Als einmal unser Fahrer abrupt anhielt, dachten wir der Zeitpunkt sei gekommen. Er stieg aus und ging eiligen Schrittes fünfzehn bis zwanzig Meter zurück. Sofort sprangen Jens und Kosmas hinterher. Jeder dachte, der Fahrer hätte „unsere Anakonda“ entdeckt. Er verschwand im Busch und kurze Zeit später folgten Jens und Kosmas. Wir sahen ihnen gespannt nach und warteten ungeduldig. Recht überstürzt kamen Jens und Kosmas auf die Straße zurück. Ihre Gesichter sahen nicht nach „Anakonda“ aus. Etwas kleinlaut und bedröppelt teilten sie uns mit, dass der Fahrer nur einem menschlichen Bedürfnis nachgehen wollte. Wir konnten uns nicht mehr halten vor lachen und prusteten lauthals los.

Auch wenn wir keine Anakonda bei diesem Ausflug gesehen haben, war diese Fahrt ein einmaliges Erlebnis, bei dem niemand wollte, das es jemals endet. Wir ließen die Seele baumeln bis sich langsam der Sonnenuntergang einstellte und wir zur Rückfahrt ansetzten.




Empfehlung


Treckingsandalen sind ausreichend, da man die meiste Zeit auf dem Jeep verbringt. Empfohlen wird ein praktischer Tagesrucksack zum Transport von Fotoapparat und Verpflegung.
Statt einer Wasserflasche bietet es sich an, auf ein Wassersack-Trinksystem mit Mundschlauch zu wechseln (z.B. Camelbak). Man trinkt dadurch mehr Wasser, was bei der Hitze sehr wichtig ist. Ebenfalls entfällt so das ständige Auf- und Absetzen des Rucksacks, um nach der Trinkflasche zu suchen.
Unbedingt Sonnenschutz auftragen!


Der Outdoor-Tester