Mit Rad, Quad, Landrover oder Boot outdoor Unterwegs

21.03.2009
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Name: Rio Apure
Location: San Fernando de Apure, Venezuela
Art: Einbaumtour mit Tierbeobachtungen
Länge:
Dauer: 4 Stunden (Hin- und Rückfahrt)
Höhenunterschied:
Text & Bild: Franziska Ehrhardt

Venezuela: Flussfahrt mit garantierter Seelenkur

Am Mittag fuhren wir mit dem Bus zum Rio Apure, einem Nebenfluss des Orinoco, der in östlicher Richtung die Llanos durchfließt. Nachdem alle Schwimmwesten verteilt waren, stiegen wir an die am Ufer liegenden motorisierten Einbäume. Vorne und hinten nahmen jeweils unsere einheimischen Bootsführer Platz. Wir tummelten uns zu zweit nebeneinander sitzend dazwischen. Kaum waren wir mit den Booten gestartet, hielten wir auch schon wieder ein paar Meter weiter an. Was war denn nun los? Nach kurzer Verwirrung und Unruhe wurde uns mitgeteilt, dass wir uns hier für die Fahrt offiziell anmelden müßten. Nach wenigen Minuten waren wir - ich weiß zwar nicht wie und es war mir auch egal – offiziell angemeldet und fuhren los. Leider bedeutete auch jetzt losfahren nicht das erhoffte. Nein, wir überquerten den Fluss, um an der gegenüberliegenden Seite erneut anzulegen. Am Ufer erwarteten uns drei schwer bewaffnete, uniformierte junge Männer. Der Empfang hatte nichts vertrauenserweckendes. Sie forderten uns mit strenger Miene auf, ihnen umgehend unsere Reisepässe zu übergeben. Einer der bewaffneten, grimmig dreinschauenden Männer verschwand alsbald mit unseren Dokumenten. Die Zeit verging und der Glaube daran, unsere Reisepässe wieder zu sehen, sank. Nach mehr als zehn Minuten kehrte er schließlich doch zurück, und endlich begann unsere Bootstour.

Das Wetter war traumhaft, die Sonne strahlte und nur wenige Wölkchen bedeckten den ansonsten blauen Himmel. Der Fahrtwind blies uns angenehm frische Luft ins Gesicht. Die Uferseiten, des an dieser Stele etwa 50 Meter breiten Rio Apure waren durch grüne Bäume, Sträucher, Büsche oder Wiesen begrenzt. Wir entdeckten Silberreiher, die elegant auf den Ästen landeten oder wie Elfen davon schwebten. Schwarzadler und Bussarde schwangen ihre Flügel. Wir beobachteten Scherenvögel wie sie im flachen Wasser am Ufer auf und ab marschierten und entdeckten zahlreiche Eisvögel. Die Aufregung war groß, als wir in den Ufernahen Bäumen Leguane ausmachten. Die Boote steuerten sofort dorthin, so dass wir Zeit hatten, deren Anblick zu genießen. Die meisten lagen auf den Ästen im Schatten, einige auf der Uferkante im hohen Gras. Bei anderer Gelegenheit entdeckten wir sogar Brüllaffen.

Die Zeit verging wie im Flug und vor uns zeichnete sich in der Mitte des Weißwasserflusses eine kleine Sandinsel ab. Diese steuerten wir an, um ein Picknick einzulegen. Der Ort strahlte Ruhe aus und war dennoch voller Leben. Während jeder seinen Gedanken nachhing, platschte es plötzlich in unserer Nähe. Wir horchten auf und starrten gebannt auf das Wasser. Kurze Zeit später zeigten sich die Urheber der Geräusche – und Flussdelphine tauchten auf. Sie schwammen wieder und wieder an uns vorbei, sprangen aus dem Wasser und ließen sich hineinklatschen. Was für ein Erlebnis. Wir standen alle wie an einer Schnur aufgefädelt dicht nebeneinander am Ufer unserer kleinen Insel. Die Fotoapparate gezückt, warteten wir darauf, dass die Show weiterging und wir diesen Moment mit einem wunderbaren Schnappschuss für immer festhalten konnten. Nun, ein aussagekräftiges Foto ist am Ende zwar keinem von uns gelungen, aber der Erinnerung an dieses wunderbare Erlebnis tat dies keinen Abbruch.

Nach kurzer Weiterfahrt bogen wir in einen Seitenarm des Rio Apure ein, der wesentlich schmaler war. Wir hielten schließlich nahe des Ufers. Die Bootsführer begannen provisorische Angeln vorzubereiten und reichten diese an uns weiter. Wir hatten noch keinen Schimmer, was das sollte, ließen uns jedoch nicht beirren, und so nahm auch ich eine Angel in die Hand. Als kleine Fleischstücken für die Haken gereicht wurden, dämmerte es uns langsam und wir durchschauten das Spiel: Piranha-Fischen stand auf dem Plan. Die kleinen Biester hatten richtig Kraft. Bei dem einen oder anderen bissen sie gut. Mir entwischten sie anfangs, aber dann war auch ich erfolgreich und hatte zuletzt sogar irgendeinen anderen Fleischfresser am Haken. Leider bekamen wir bei dem nicht heraus, um was für einen Fisch es sich handelte. Die Piranhas selber hatten in etwa die Größe einer Hand und besaßen eine wunderschöne Färbung – ihre Brust schimmerte rötlich-orange, so dass man auf den ersten Blick gar nicht glauben wollte, was für tückische Biester das doch sind. Als wir das teuflische Gebiss mit den scharfen Zahnreihen vor uns sahen, lief uns ein leichter Schauer über den Rücken.

Auf der Rückfahrt legte die langsam untergehende Sonne die gesamte Landschaft in ein zauberhaftes Licht. Jeder hing seinen Gedanken nach, hatte ein zufriedenes Lächeln auf den Lippen und strahlte aufgrund der Erlebnisse dieses wunderschönen Nachmittags.




Empfehlung


Treckingsandalen sind ausreichend, da man entweder im Boot ist oder auf einer sandigen Insel. Empfohlen wird ein praktischer Tagesrucksack zum Transport von Fotoapparat und Verpflegung.
Statt einer Wasserflasche bietet es sich an, auf ein Wassersack-Trinksystem (z.B. Camelbak) mit Mundschlauch zu wechseln. Man trinkt dadurch mehr Wasser, was bei der Hitze sehr wichtig ist. Unbedingt einen Hut zum Schutz vor der Sonne tragen und die Sonnencreme nicht vergessen.


Der Outdoor-Tester