Reisebericht Berlin – Sankt Petersburg 2010
Deutschland (Tag 1-2):
Unsere Tour begann am 01.08.2010 in Erkner (bei Berlin). Frohen Mutes machten wir uns auf den Weg nach Köstrin an der Oder, doch schon nach 37 km hieß es „Kommando Platten“. Erhebliche Überbeladung, bedingt durch akute Angst vor dem Hungertod, und einen nicht ganz optimalen Reifendruck führten zu diesem Malheur, dass uns in heimischen Gefilden zum Übernachten zwang. Durch die tatkräftige Unterstützung des Angelladenbesitzers aus Buckow gelang es doch noch die Felge unseres Hinterrades den mitgebrachten Schläuchen gefügig zu machen.
Polen (Tag 2-7):
Der Radweg führte uns von Köstrin über das Netzetal, an der Weichsel entlang bis nach Frauenburg am frischen Haff. Schon an der Grenze hatten wir das Vergnügen unsere Regenbekleidung ausgiebig zu testen. Auch die Bodenbeschaffenheit der Straßen wurde abenteuerlicher, die in durchweichten Lehmtrassen mit steilen Anstiegen gipfelten. Der polnische Abschnitt wurde uns durch nette Begegnungen mit hilfsbereiten Einheimischen versüßt. Ob freundlicher Werkstattbesitzer, feiernde Jugendliche oder behilfliche Camper, an Herzlichkeit fehlte es nie. Im Gedächtnis geblieben sind uns die Hohe Dichte an im Regen arbeitenden Rasentrimmern und die auf Strommasten nistenden Störche.
Russland - Kaliningrad (Tag 8-9):
Kaliningrad – Exklave der begrenzten Möglichkeiten. Begrüßt von monsunartigen Regenfällen, löchrigen Straßen und Katalysator freien Autos, enttäuscht von der Scheinexistenz der Königsberger Klopse, der blockartigen Architektur und den verängstigt wirkenden Einwohnern und geschwächt von der durchfallfördernden, aber trotzdem vorzüglichen, Soljanka schafften es die wunderschöne Kantinsel und das schmackhafte Brotbier den Aufenthalt trotz alledem erträglich zu gestalten.
Litauen (Tag 10-11):
Bezaubert von der kurischen Nährung erfrischten wir uns im baltischen Meer bevor wir weiter nach Klaipeda übersetzten. Das delikate Zanderfilet, das lokale Dunkelbier und der warme Apfelkuchen garniert mit Vanilleeis sorgten dafür, dass wir uns frisch gestärkt unter dem Schutz einer litauischen Mountainbike-Eskorte auf den Weg Richtung Lettland machen konnten. Die dabei befahrenen Radwege zählten sicherlich zu den Schönsten der Tour. Einmalig war der Sonnenuntergang am Strand mit anschließendem Zelten am Meer.
Lettland (Tag 12-15):
Lettland ist uns als Land der unendlich geraden Bundesstraßen in Erinnerung geblieben. Unser Höhepunkt war der Aufenthalt in Riga, der uns trotz anfänglicher Anpassungsschwierigkeiten an das örtliche Bahnsystem nicht verwehrt wurde. Als Paris des Nordens haben wir Riga nicht zuletzt wegen der köstlichen Wurstspezialitäten schätzen und lieben gelernt. Demotivierende Schotterwege und ernüchterndes Kartenmaterial konnten nur durch die Gastfreundschaft lettischer Landwirtinnen wettgemacht werden.
Estland (Tag 16-18):
Äußert radfahrerfreundliche Beschilderung säumten unseren Weg zur russischen Grenze. Nach Durchqueren eines Skigebietes konnten wir in Tartu in einem Garten unser Zelt aufschlagen. Der Karzer im Unihauptgebäude lies uns unser Studentendasein lebenswerter erscheinen. Drei Wochen für ein Duell unter Gentlemen ist dann doch zu happig. Vorbei am Peipussee führte uns der Radweg entlang imaginärer Steilküsten nach Narva zum Grenzübergang nach Russland.
Russland (Tag 19-20):
Ivangorod. Wind. Schlaglöcher. St.Petersburg. Der Weg, ein Traum, unser Ziel. Die Ankunft am Stadtschild wurde gebührend mit einer Flasche feinstem russischem Sekt gefeiert und bildete das Ende einer erfolgreichen Tour. Dank Frank und seiner erstklassigen Ausrüstung konnten wir Wind, Wetter und auch harten Asphaltböden trotzen. Unsere Habseligkeiten und auch wir überstanden den Rückweg von St. Petersburg über Moskau nach Berlin unbeschadet. Einer weiteren Tour steht somit nichts im Wege…