Die Wüste brennt und wir waren mitten drin. Sehr bequem war der Gepäcktransport durch ein Begleitfahrzeug. So war der Rucksack abends immer schon im Lager oder im Hotel. Generell empfiehlt es sich für die Wüste mit leichtem Gepäck zu reisen. Aber egal wie wenig man mitnimmt, ein dicker
Fleece muss auch im Juni dabei sein. Wenn abends die Sonne hinterm Horizont verschwindet und der orangene Sonnenuntergang das Herz erwärmt hat, kühlt der sternenklare Himmel selbiges auch schnell wieder ab. Und alle umliegenden Organe gleich mit. Jetzt ist eine Softshell wohl geraten. Dann kann man am besten mit einem heißen Tee die unzähligen Sterne bewundern.
Aber wie kommen wir in die Wüste? In unserem Fall mit einer Quad-Tour. Ausgangsort war El Gouna, das nun wirklich mehr fürs Tauchen und Kite-Surfen bekannt ist, denn als Ausgangspunkt für Wüstensafaries. Aber Alex-Safaries hatte alles bestens vorbereitet und so fand sich unsere illustere Gruppe an einem Sonntagnachmittag zusammen, um das erste Etappenbriefing zu erhalten. Danach wurden wir alle in die Kunst des Shemagh-bindens eingewiesen. Ein Shemagh ist nichts anderes als das mittlerweile wieder in Mode gekommene „Arafat-Tuch“.
Im Laufe des ersten Nachmittags habe ich allerdings meinen Boonie sehr schätzen gelernt. Die Krempe schützt die Augen besser vor der Sonne und man kann beschatteten Blickes die Landschaft genießen. Nach dem Kopfschmuck kam die Fahreinweisung an die Reihe. Diese viel sehr sparsam aus und der Rest wurde dem Teilnehmer im „Try-and-error-Verfahren“ beigebracht. An dieser Stelle kann ich jedem Quad-Novizen nur empfehlen ein Quad-Bike mit Fußbrett zu wählen. Sieht vielleicht nicht so cool aus, schützt aber gegen böse Verletzungen. Ansonsten ist man gut beraten eine lange Hose zu tragen. Kunstfaser, im Outdoor-Bereich sehr beliebt, ist hier nicht zu empfehlen. Man hat das Quad-Bike „gut zwischen die Schenkel geklemmt“ am besten unter Kontrolle. So überträgt allerdings der Motor auch seine Hitze sehr direkt. Ich persönlich kann eine Baumwollhose in Militärqualität sehr empfehlen.
Nachdem jeder mit Tarek, unserem Guide, eine Übungsrunde gedreht hat und ich lernen musste, dass es im Ägyptischen offensichtlich das gleiche Wort für rechts und links gibt, einigten wir uns auf Handzeichen. Das bewährte „da lang“ funktioniert auch in der nordafrikanischen Wüste ganz hervorragend. Der erste Handzeig Tareks führte uns gen Norden, immer parallel zur Hauptstraße Richtung Kairo. Nach dem ersten Pfund Staub zwischen den Zähnen, trotz Shemagh, bogen wir nach Westen ab.
Der Sicherheitsabstand in der Kolonne regelt sich ganz einfach. Man bleibt außerhalb der Staubfahne des Vordermannes. Sobald die Strecke eben und breit ist begann auch ein lustiges Ausscheren und jeder suchte sich seine Buckelpiste. Schon nach wenigen Kilometern war man der Jockey im Sattel und nahm Bodenwellen gern halbstehend. Auch die Gier nach Geschwindigkeit in mir wuchs mit dem Selbstvertrauen. So fuhr ich dann auch alle fünf Gänge aus und slidete durch die Kurven und um die Felsen herum als ob ich nie etwas anderes gemacht hätte. Natürlich würde ich auch nie übertreiben. Allerdings macht Quadfahren in der ebenen Wüste grandios viel Spaß. Und man hat enorm viel Endorphin im Körper.
Die Route führte uns tief ins Gebirge und durch eine Schlucht hinauf Richtung Hochebene. Auf dem Weg und noch im Canyon war eine Teepause eingeplant. Hierzu steuerten wir ein Beduinencamp an. Das Bild von Zelten, schweren Teppichen und leicht bekleideten jungen Frauen, die mir heißen Tee servieren machte sich in meinem Hirn breit und ließen mich unter meinem Shemagh erwartungsvoll lächeln. Die Realität schlug mir mein Grinsen auch gleich wieder hart und erbarmungslos aus dem Gesicht. Zelte wichen Reisigwänden und der Tee wurde von jungen Männern in
Jeans serviert. Störte den Geschmack zwar keinesfalls aber die Fantasie umso mehr. Den Damen in unsere Gruppe wurde stolz die extra für Touristen gebaute Toilette angeboten. Sagen wir mal so, in dem Moment war ich froh als Mann hinter den Felsen zu dürfen.
Weiter ging es zur Hochebene wo wir den Sonnenuntergang bewundern wollten. Fahrerisch mit viel Spaß verbunden und durch sehr schön anzusehende Felsformationen schraubte sich der Weg nun immer Höher. Am Aussichtspunkt oder besser, Aussichtsfläche, angelangt hatten wir nach Osten einen tollen Ausblick über den Grand Canyon Ägyptens, wie ihn Tarek stolz beschrieb und sahen im Westen den zweit höchsten Berg Ägyptens. Allerdings war weder von Tarek noch aus Reiseführern zu entnehmen, was das für ein Berg war. Zumindest sind sich alle Unterlagen einig, dass die höchsten Berge Ägyptens auf dem Sinai stehen. Sei´s drum… Dazwischen einfach nur eine riesige sandige, steinige Ebene, die auch hervorragend auf Dattoine hätte liegen können.
Mit dem letzten Licht wurden gerade noch ein paar Wartungsarbeiten an den Quads erledigt und dann ging auch schon die Sonne gar malerisch in der Wüste unter. Außer ein paar vertrockneten Sträuchern, die im Wind knisterten, war es absolut still. Nach einem Farbespiel am Himmel, das sich von hellblau über orange zu kobaltblau und schließlich schwarz abspielte, war es jetzt auch zeit fürs Nachtlager. Netterweise waren die Zelte bereits aufgebaut und das Lagerfeuer brannte warm. Kameldung wird outdoor gern als Briketersatz benutzt. Funktioniert bestens und riecht auch nicht. Auf den heißen Steinen wurde Brot gebacken und uns frisch vom Stock serviert. Das war nicht nur ausgesprochen lecker sondern auch willkommen um den Staub im Mund elegant loszuwerden. Um nun auf die eingangs erwähnten Sterne am Himmel Ägyptens zurückzukommen, legt man sich bequem auf sein Zeug (Rucksack, Isomatte etc.) kuschelt sich in seine dicke Fleece-Jacke und schaut einfach nach oben. Das Sternenzelt ist einmalig.
Danach ist man bereit für ein leckeres Abendessen und eine Nacht im Zelt. Outdoor-Basics mitten in der Wüste Nordafrikas.
September bis Mai.
Wer gern bei 50 Grad im Schatten unterwegs ist kann natürlich auch von Juni bis August durch die Sahara fahren.
Über Hurghada.
Lediglich ein paar Beduinendörfer auf der Strecke.
Egal wie warm, am besten sind lange Shirts und Hosen. Das
Under Armour Heat Gear hat super funktioniert. Es kühlte und hielt den Staub vom Körper.