Wandern und Klettern sind Beispiele für klassische Outdooraktivitäten.

27.02.2009
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Name: USA: Indian Reservation Havasupai
Location: Grand Canyon, USA
Art: Wanderung
Länge: 16 km
Dauer: 6 Stunden
Höhenunterschied:
Text & Bild: Franziska Ehrhardt

USA: Ausflug in den Grand Canyon

An einem sonnigen Tag im September brachen David, Mark und ich zu einem mehrtägigen Ausflug zum Indianerreservat Havasupai auf. In einer Schlucht des Grand Canyons westlich vom South Rim liegt etwa 12 Kilometer vom Hualapai Hilltop entfernt nahe des Indianerdorfes Supai ein einsamer Campingplatz in paradiesischer Umgebung. Am Hualapai Hilltop angekommen, stellten wir das Auto für die nächsten Tage ab, denn der Weg zum Indianerreservat kann von hier aus nur zu Fuß oder per Muli bestritten werden. Als wir von der äußeren Kante des Hualapai Hilltop heruntersahen, erstreckte sich zu unseren Füßen ein steiler Abhang, gefolgt von einem riesigen kargen Tal, das von einer gigantischen Felsschlucht umgeben war. Die Sonne brannte bereits jetzt in diesen frühen Morgenstunden sehr intensiv. Der Himmel strahlend blau – wie für Arizona typisch – die Luft ungewöhnlich frisch. Eine angenehme Abwechslung zum stickigen und versmogten Phoenix. Weit entfernt im Canyon und kaum wahrnehmbar, entdeckten wir kleine sich bewegende Pünktchen – andere Wanderer. Dort also sollte uns der Weg entlang führen.

Bekannte hatten uns geraten, viel Trinkwasser mitzunehmen und das Gepäck gegen ein entsprechendes Entgelt von einem Muli befördern zu lassen. Dem letzten Rat wurde nicht gefolgt, was wir bald schwer zu spüren bekommen sollten. Wir folgten dem vorgegebenen Pfad, der sich zunächst serpentinenartig bergab schlängelte. Die Erde zu unseren Füßen hatte eine rötlich-braune Färbung, die auch unsere Schuhe bald annahmen. Je weiter wir uns dem Tal näherten, umso gigantischer wirkte die Felsschlucht. Nach mehr als 20 Gehminuten hatten wir selbiges erreicht. Die Jungs und ich hielten einen Moment inne und ließen die Szenerie auf uns wirken. Das Gepäck schien bereits jetzt doppelt so schwer. Auch unsere Beine wirkten lahm, obwohl wir uns gerade am Anfang der Odyssee befanden.

Der Weg durch den Canyon war übersäumt von Kieselsteinen und feinem Sand. Mal ging es sich schwerer, mal leichter. Zu unserer Linken und Rechten zogen sich die Felsen wie eine überdimensionale Mauer entlang. Inzwischen etwas flacher, aber immer noch gewaltig – erstreckten sie sich in rötlicher Farbe mit überwältigenden Formationen. Es sah aus, als wenn sich ein Künstler hier zu schaffen gemacht hatte. Die Felsen waren teils abgerundet oder mit Mustern bedeckt, die durch die Witterung bedingt über einen endlos langen Zeitraum entstanden waren. Beeindruckt und überrascht registrierte ich, wie sich zunehmend aus den Felswänden Pflanzen, Sträucher und kleine Bäume den Weg bahnten.

Stundenlang schienen wir die einzigen Lebewesen im Canyon zu sein. Keine Menschenseele, kein Straßenlärm, kein Verkehr, keine Probleme – nur reine, frische Natur. Nach etwa zwei Stunden vernahmen wir leises Plätschern. Hier und da taten sich kleine Pfützen auf, die zu Bächen wurden und sich entlang des Weges zogen. An einer schattigen Oase machten wir Halt. Ein Baum spendete uns Schatten und das Wasser erfrischte unsere ermüdeten Körper. Um uns befanden sich weiterhin diese gewaltigen Felsen, nur das dass Tal an sich wesentlich schmaler geworden war. Wären wir nicht so erschöpft gewesen, hätten wir diese Idylle sicher mehr genießen und würdigen können. Das Gepäck schien schwerer und dessen Riemen gruben immer tiefere Striemen in unsere Schultern.

Nach hinreichender Erfrischung setzten wir den Weg fort. Ich erwies mich in dieser Phase als Einzelgänger und machte den Vormarschierer. Die Herren waren mir zu langsam, obwohl ich fand, dass ich nicht besonders schnell ging. Bald hörte ich ihre Stimmen und Schritte nicht mehr. Kümmerte mich aber auch nicht weiter darum, da ich meinen Wanderrhythmus gefunden hatte. Ich durchquerte den Rest des Canyons bis zum Indianerdorf alleine. Die Natur, der Duft der Pflanzen und Bäume und nicht zuletzt die Sonne erfüllte mich mit einem wohligen Gefühl. Plötzlich vernahm ich tosendes Rauschen. Vor mir – hinter einem grünen Meer von Laubbäumen und Sträuchern – erstreckte sich ein reißender Bach. Ich folgte der Strömung und gelangte zu einer Brücke mit dem Hinweisschild „ 1 Mile to Supai“ – dem Indianerdorf. Die Meile verging schneller als erwartet. Bald begannen erste Farmen mit Pferden und kleinen Hütten. Indianer kreuzten meinen Weg. Sie starrten mich einfach nur ohne eine Miene zu verziehen an oder grinsten. Wegweiser führten mich direkt zur Tourist Office, bei der wir uns zwecks Camping anmelden mussten. Dort wartete auf David und Mark.

Das am Havasu Creek liegende Dorf war umgeben von riesigen rot-braunen Felsen, aus denen vereinzelt Monolithen in den Himmel schossen. Die Felsen waren hier nicht mehr so abgerundet und künstlerisch geformt, wie noch Stunden zuvor. Im Gegenteil, sie wirkten schroff und steil. Zu den Füßen der Felsen erstreckten sich grüne Wiesen, auf denen zahlreiche Pferde weideten. Kleine Hütten, vor denen Indianerkinder mit umherstreunenden Hunden spielten, zeichneten ein weiteres Bild des Dorfes. Es gab sogar eine Schule und eine Kirche. Wer im Dorf Indianerzelte oder dergleichen erwartet hatte, wurde enttäuscht. Auch an diesem Fleck der Erde ist die Zivilisation wie wir sie kennen nicht spurlos vorbeigegangen. Ich entdeckte eine riesige Satellitenschüssel. Die Menschen, die mir begegneten, sahen für mich - zumindest was die Hautfarbe und die schönen schwarzen Haare anbetraf – wie jene Indianer aus, die mir aus zig Westernfilmen meinen Kindheit vertraut waren.

Nach einer guten halben Stunde entdeckte ich mir bekannte Gesichter – David und Mark kamen um die Ecke. Beide sahen leicht angeschlagen aus. Ich war froh, dass auch an ihnen die Wanderung nicht spurlos vorbeigegangen war. David klärte die Formalitäten für unseren Campingaufenthalt. Er hatte bereits vor Tagen telefonisch mit der Tourist Office von Tempe aus Kontakt aufgenommen, um die dringend erforderliche Reservierung vorzunehmen.

Nun lagen nur noch zwei Kilometer Fußmarsch bis zum Campingplatz vor uns. Es ging zur Abwechslung diesmal bergab, nachdem der Pfad die letzten Stunden größtenteils eben war. Nach einiger Zeit vernahmen wir ein Rauschen und tatsächlich, neben uns, die Klippe hinunter, erhaschten wir einen Blick auf den ersten großen Wasserfall, den Navajo Fall. Er war ein erster beeindruckender Beweis dafür, warum die Menschen hier „das Volk am blaugrünen Wasser“ genannt werden. Leider war der Weg ringsum aus Sicherheitsgründen abgezäunt, so dass wir ihn nur teilweise bestaunen konnten. Nach weiteren 10 Minuten stürzte unweit vom Weg entfernt der Havasu Fall 30 m in die Tiefe. Seitlich führte ein zweiter schmaler Pfad den Hügel hinunter direkt zu einem großen türkis-grün-schimmernden natürlichen Pool, in den sich der Wasserfall kraftvoll entlud. Wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche bildete sich eine herrliche Gischt, die uns wie leichter Nieselregen eine wohltuende Erfrischung verschaffte. Hinter dem Wasserfall und an den Seiten war die ansonsten erdbraune Felswand mit grünen Pflanzen und Moos bedeckt. Gesteinsbrocken hingen wie riesige Wassertropfen an der Wand herunter und verliehen dieser ein spektakuläres Muster.

Weiter ins Tal hinein erreichten wir schließlich den idyllisch gelegenen Campingplatz. Er lag einsam mitten in einer schmalen Schlucht, an dessen Seiten sich steile Felsen in den Himmel erhoben, die uns zusammen mit herrlich grünen Wiesen und üppigen Laubbäumen wie Riesen umschlossen. Der Flussströmung folgend führte der Weg weiter in den Canyon hinein in Richtung des 60m hohen Mooney Falls, an dessen Seite man steil bergab klettern kann, und des Beaver Falls, dessen türkis-grün-farbenes Wasser einen atemberaubenden Kontrast zu den dahinterliegenden rot-braunen Gesteinsfelsen bildet.




Anspruch


Leicht bis mittel 
Der Abstieg in den Canyon ist recht steil. Danach folgt man einem langen ebenen Pfad durch den Canyon. Erst ab dem Indianerdorf wird es hügeliger.


Empfehlung


Feste Wanderschuhe sind zwar bei den hohen Temperaturen recht warm, sind aber dringend zu empfehlen. Ein praktischer Tagesrucksack erleichtert den Transport von Fotoapparat und Verpflegung. Statt einer Wasserflasche bietet es sich an, eine Trinkblase mit Mundschlauch zu benutzen (z.B. Camelbak). Man trinkt dadurch mehr Wasser, was gerade bei der Hitze im Grand Canyon sehr wichtig ist. Unbedingt Sonnenschutz auftragen und die Kopfbedeckung nicht vergessen.


Route


Die Wanderung beginnt östlich von Peach Spring zwischen Kingman und Seligman, Arizona, USA. Das Ziel ist der Zeltplatz beim Indianerdorf Supai.


Der Outdoor-Tester