Wandern und Klettern sind Beispiele für klassische Outdooraktivitäten.

14.08.2009
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Name: Neubergalmen und Hinterbergweg
Location: Steinberg am Rofan, Tirol, Österreich
Art: Bergwanderung
Länge:
Dauer: 5 Stunden
Höhenunterschied: 600 Meter
Text & Bild: Frank Delbrügge

Österreich: Hinterbergweg oder der Eichhörnchentrail am Guffert

An diesem Tag startet unsere Bergwanderung direkt am Hotel. Pünktlich zum Start wird der Nieselregen dichter und wir ziehen gleich unsere Hardshells über. Vorbei an Idyllischen Bauernhöfen gehen wir noch über geteerte Dorfstraßen. Nur zwanzig Minuten später schlagen wir einen Haken und dann beginnt auch schon der Aufstieg. Gut, dass in Laufrichtung soviel Wald ist. So wird man wenigstens von den 600 Höhenmetern die da vor uns legen nicht sofort entmutigt. Der Anstieg ist trotz Nieselregen und kühler Morgenluft so schweißtreibend, dass die Hardshells gleich wieder im Rucksack landet.

Das Chameleon-Tuch wird zum Stirnband und die Luft ist dermaßen feucht, dass mir schon die Brillengläser beschlagen. Kontrolliertes nach unten ausatmen erhält die klare Sicht nach vorn. Trekkingstöcke sind bei dieser Tour sehr zu empfehlen. Der feuchte, moosige und steinige Untergrund ist rutschig und der Weg führt im Zickzack steil nach oben. Durch die Stöcke kann man die Armmuskulatur perfekt nutzen um den Höhenunterschied bei jedem Tritt leichter zu überwinden.

Bei dieser Luftfeuchtigkeit bewährt sich Funktionswäsche. Mein Icebreaker-Shirt ist feucht aber wärmt trotzdem. Der Weg führt uns eine gefühlte Stunde steil bergauf und so bewältigen wir den Kraftteil des Tages gleich am Anfang. Das Frühstück ist nach diesem Anstieg komplett verbrannt. Auch das Rührei mit Schinken macht mir kein schlechtes Gewissen mehr. Den Frühstückssaft haben wir bei diesem Kraftakt parallel gleich mit ausgeschwitzt. Auch wenn der ein oder andere Mitwanderer meinen Trinksack liebevoll belächelt hat freuen ich und mein Flüssigkeitshaushalt jetzt sehr über die drei Liter Wasser im Camelbak. So nuckel ich ganz entspannt meinen Wasservorrat vom Rucksack in meinen Bauch.

Der Pfad schlängelt sich mittlerweile parallel zum Hang durch den Wald. Hinter einigen Wegbiegungen, bevorzugt an den besonders schmalen, verwinkelten und steilen Passagen frage ich mich: Wie kam die Kuh hierhin und was habe ich ihr getan, das sie genau an dieser Stelle so großflächig düngt?“ Elegant tänzeln wir in unseren Wanderstiefeln um die tierischen Hinterlassenschaften des Milchviehs herum.

Der Wald wird nun lichter und wir genießen den Ausblick ins wolkenverhangene Tal. Das diffuse Licht lässt Fichten und andere Bäume, die von Flechten bewachsen sind, märchenhaft erscheinen. Wir lernen, dass Flechten ein Indikator für saubere Luft sind. So füllen wir unsere Lungen mit gesunder Atmosphäre und gehen auch gleich viel motivierter weiter.

Die Bäume verschwinden und wir erreichen die Neuberg-Alm. Der Blick ins Tal ist immer noch verhangen und wir platzieren uns um eine Hütte. Denn jetzt muss der Hunger gestillt werden. Was für den Westfalen sein Butterbrot und für den Berliner seine Stulle ist, dass ist für den Tiroler seine Jause. Ist Egal, denn ist auf jeden Fall lecker. Wenn nicht, hätte ich mich auch nicht beschweren können denn mein Jausenpaket habe ich am Morgen selbst geschmiert.

Langsam reißen die Wolken auf und geben den Blick auf die Gegenüber liegenden Berge frei. Erst jetzt wird uns wirklich bewusst, wie hoch wir hier sitzen. Der Ausblick wird von Minute zu Minute besser. Das haben wir uns auch alle verdient! Die Neuberg-Alm wir von drei Männern bewirtschaftet und jegliche romantische Alm-Öhi-Fantasie wird durch Crocks und Blaumann realistisch zu Nichte gemacht. Wenigstens haben die Kühe noch Glocken um den Hals. Das Läuten wird auch nur durch die Sprengarbeiten am Nachbarberg übertönt. Dort wird eine neue Seilbahn gebaut.

Nach der Mittagspause geht es relativ erholt und auf jeden Fall gesättigt weiter. Auf dem weiteren Weg finden wir immer mal wieder eine Schnecke, die ihr Haus den Berg hoch schleppt. Diese Schnecken sind übrigens jedem Gartenbesitzer zu empfehlen. Sie fressen die Eier der nicht so gern gesehenen Nacktschnecken. Aber das nur am Rande.

Unsere Route führt ein Stück bergab und wir treffen auf den Hinterbergweg. Eine Mitwanderin tauft ihn liebevoll auf den Namen „Eichhörnchenpfad“. Ein Eichhörnchen kann hier entspannt mit zweimal zwei Pfoten nebeneinander entlang hoppeln. Ein Mensch mit Wanderstiefeln und Schuhgröße 43 tut sich da schon schwerer. Der Talseitige Trekkingstock greift so auch ins Leere und da geht es lockere 25m steil bergab. Der Weg setzt gefühlt ständig aus und man bleibt am besten immer kurz stehen um die nächste Markierung zu suchen. Hier ist schauen und gleichzeitig balancieren ehr schwer. Auch kurze und steile Anstiege machen das Leben im Gelände für den Outdoor-Tester an diesem Tag nicht einfacher. Wer glaubt die Herausforderung in der Wildnis nur in Kanada zu finden, sollte mal in der Gegend um die Neubergalmen suchen.

Unsere Wanderstiefel leisten hervorragende Dienste in diesem sehr abwechslungsreichen Gelände. Bei knöcheltiefem Matsch, Bachquerungen und nassem Gras muss das Schuhwerk auf jeden Fall wasserdicht sein. So sind Leder und Goretex bei diesen Bergwanderungen die gebotenen Materialien am Fuß.

Auch wenn das letzte Stück Weg uns wieder auf Dorfstraßen zurück zum Hotel führt, haben wir uns an diesem Tag das Radler auf der Sonnenterrasse redlich verdient.




Einkehr


Neubergalm
Hier kann man frische Buttermilch oder auch Käse direkt vom Erzeuger kaufen. Muss man mögen.


Übernachtung


Mehrere kleine Hotels oder Gästezimmer in Steinberg.


Der Outdoor-Tester