Warm eingehüllt starteten wir um 8 Uhr unsere Wanderung von Mangatepopo nach Ketetahi zwischen dem Mount Tongariro und dem Mount Ngauruhoe – durch teils karge Mondlandschaft und vorbei an Vulkanfeldern und Kraterseen. Die ersten anderthalb Stunden passierten wir ohne merkliche Steigung nicht enden wollende Lavafelder – eine vorwiegend eintönige und unspektakuläre Landschaft.
Ab Soda Spring begann die Abwechslung. Während sich der Nieselregen verstärkte und die Sicht immer schlechter wurde, kletterten wir beinahe steil in die Höhe über Felsvorsprünge und Geröll. Die Anstrengung nahm von Schritt zu Schritt zu, so dass der eine oder andere bald an seine körperlichen Grenzen stieß. Mein angeknackstes Kniegelenk machte mir sehr zu schaffen. Ich fragte mich wiederholt, warum ich mich für die Kletterei und gegen einen relaxten Tag im Whakapapa Village entschieden hatte. Wir bissen die Zähne zusammen und erreichten schließlich eine Art Plateau. Erschöpft sanken wir auf den Boden. Die kurze Rast tat gut und half die Lebensgeister zurückzuholen.
Beim South Crater hatte der Wettergott endlich Erbarmen und schenkte uns einen Quadratmeter blauen Himmel mit ein paar kräftigen Sonnenstrahlen. Gerade zur rechten Zeit bescherte er uns damit einen unvergesslichen Blick auf den Mount Ngauruhoe und wenige Minuten später ins weite Tal.
Mit zunehmender Höhe fiel die Temperatur weiter ab und erste Eisablagerungen säumten den Pfad. Plötzlich hielt der Guide inne. Er bat uns, die Handschuhe auszuziehen und für einen Moment den Boden mit den nackten Handflächen zu berühren. Wir folgten seiner Aufforderung und stellten überrascht fest, das die Erde angenehme Wärme ausstrahlte. Die Oberfläche fühlte sich an wie ein wohl temperierter Heizkörper. Bei der eisigen Kälte in der Luft war dies ein sehr angenehmes Gefühl. Zudem war die warme Erde ein Beweis für die weiterhin bestehenden Aktivitäten in den Tiefen dieser Vulkanlandschaft.
Als es wieder - bei völlig bedecktem, trüben Himmel - bergab ging, riss abrupt die Wolkendecke über uns auf. Die Sonnenstrahlen enthüllten zu unseren Füßen einen eben noch düster wirkenden und nun atemberaubend smaragdgrün schimmernden Kratersee. Ihm folgten zwei weitere kleinen Seen, die zusammen die Emerald Lakes bilden. Sie sind Teil des Gipfelplateaus des Mount Tongariro, der aus mehreren Kratern besteht. Der vor uns liegende See zog uns sofort in seinen Bann. Die Strapazen der vorherigen Stunden waren im Nu wie ausgelöscht und alles was zählte, war dieser traumhafte Anblick mitten im Niemandsland.
Nachdem wir die Kraterseen hinter uns gelassen hatten, ging es nur noch bergab. Mit dem ab da weniger steilen Abstieg veränderte sich auch unsere Umgebung. Eben noch karge Weite und Vulkangestein, setzte sich hier die Vegetation mehr und mehr durch. Hinzukam, dass der Himmel allmählich aufklarte und die Sonne endlich die Oberhand gewann. Vor uns zeichnete sich das Panorama einer endlosen Hügellandschaft mit weitflächigen Feldern und Wäldern ab. In der Ferne verschmolz die Landschaft mit dem Lake Taupo und zu unseren Füßen mit dem Lake Rotoaira. Immer diesen Ausblick im Augenwinkel stiegen wir weiter und weiter den Berg hinab. Inzwischen hatten wir sogar ein Wäldchen erreicht, bei dem wir letzte Rast einlegten und ein letztes Mal die Atmosphäre genossen.
Das Tragen fester Wanderschuhe und warmer Kleidung werden dringend empfohlen. Ein praktischer Wanderrucksack erleichtert den Transport von Fotoapparat und Verpflegung. Statt einer Wasserflasche bietet es sich an, eine Trinkblase mit Mundschlauch zu benutzen (z.B.
Camelbak). Für die kalten Abschnitte der Wanderung Handschuhe und warme Mütze nicht vergessen.