Wandern und Bergwandern sind die klassischen Outdooraktivitäten

10.05.2010
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Name: Alpencross in vier Etappen
Location: Österreich und Italien, Alpen
Art: Trek
Länge:
Dauer: 9 Tage
Höhenunterschied:
Text & Bild: Georg Venghaus

Alpencross II: Der Wahnsinn geht weiter

Ein Jahr lang haben wir uns auf den zweiten Teil unseres insgesamt 28-tägigen Wandertrips von München nach Venedig gefreut, auf dem insgesamt 520 km mit 20.000 Höhenmetern zurückgelegt werden. Wir sind im letzten Jahr in München gestartet und nach 7 Wandertagen in Wattens angekommen. Genau an dieser Stelle haben wir am 1.August dieses Jahres unsere Wanderung fortgesetzt. Nachdem wir im letzten Jahr durch das Voralpenland und dann über die nördlichen Kalkalpen (Karwendelgebirge) gewandert sind, haben wir dieses Jahr die Zentralalpen und einen Teil der Dolomiten vor uns, was die Wanderung noch anspruchsvoller werden lässt.

Wir haben dieses Jahr 8 Tagesetappen (plus einem Ruhetag) zurückgelegt. Die Wanderung hat uns durch die unterschiedlichsten Landschaften geführt: Durch wunderschöne grüne Täler und Wälder, sowie über majestätische Berge mit kargen Stein, Geröllfeldern und Gletschereis. Ebenso wie das Gelände bescherte uns auch das Wetter jede Menge Abwechslung; von wolkenlosem Himmel mit 32 Grad bis zu kaltem Regenwetter und Nebel mit 10 Metern Sichtweite. Dies alles gab uns reichlich Gelegenheit, unsere Outdoor-Ausrüstung zu testen.

Unsere Tagesetappen:
1. Tag
Vom Inntal in die Lizumer Hütte
Wie eingangs erwähnt starten wir unsere Tour in dem im Inntal gelegenen Ort Wattens, der vor allem durch den Firmensitz des Swarovski-Unternehmens bekannt ist. Wir brechen um 08.00 Uhr auf und sind uns schon nach 1,5 Stunden strammen Aufstieg wieder bewusst, was uns in den nächsten acht Tagen bevorsteht. In dem ersten Gasthof stürzen wir alle einen Liter Apfelsaftschorle in uns rein und ich wringe mein klatschnasses Thermic T-Shirt aus. Der Aufstieg dauert den ganzen Wandertag an. Wir legen ca.16 km zurück, wobei wir 1.500 Höhenmeter ansteigen. Dies sind die vielen Höhenmeter die wir letztes Jahr beim Abstieg aus dem Karwendelgebirge verloren hatten. Nach einem schönen ersten Wandertag erreichen wir die Lizumer Hütte der Alpenvereinssektion Hall. Der freundliche Wirt gewinnt uns am Abend auch gleich als Neumitglieder des Alpenvereins.

2. Tag
Zum Tuxer-Joch-Haus
An diesem schönen sonnigen Tag überqueren wir zwei Bergkämme bevor wir zum Tuxer-Joch-Haus aufsteigen. Der Morgen beginnt mit einem anstrengenden zweieinhalbstündigen Aufstieg auf 2.743 m zum Pluderlingsattel. Ein gigantischer Ausblick entschädigt uns für die Mühen. Im Norden liegt das Kawendelgebirge und im Süden die Berge der Zentralalpen, die wir in den nächsten Tagen überqueren werden. Wir legen heute ca.11 km mit über 2.000 Höhenmetern über einsame Geröllfelder und Schneefelder zurück.

3. Tag
Zum Friesenberghaus
Eigentlich war der dritte Tag als Ruhetag eingeplant, bevor wir die "Königsetappe" angehen. Als wir ausgeschlafen zum Frühstück kommen warnt uns die Wirtin des Tuxer-Joch-Haus vor einem Gewitter, das heute Nachmittag aufziehen und zwei Tage Regenwetter mitbringen soll. Bei ungünstigem Wetter ist es nicht ratsam die Friesenbergscharte, die auf fast 3.000m liegt, zu überqueren, da es Orientierungsschwierigkeiten bzw. Unfälle beim steilen Abstieg geben kann. So bleibt uns nichts anderes übrig als schnell unsere Sachen zusammen zu packen und mit Verspätung kurz nach 9 Uhr loszumarschieren. Nach einem Abstieg und einem anstrengenden Aufstieg zum Spannagelhaus, bei dem wir nach einer kurzen Apfelsaftschorlen-Pause von den netten Angestellten aufgrund der Gewitterwarnung zum Weitergehen gedrängt werden, steigen wir fantastische Steingeröll- und Schneelandschaften zur Friesenbergscharte auf. Der steile drahtgesicherte Abstieg ist für Wanderer mit Höhenangst nicht zu empfehlen.
Wir waren heilfroh, dass wir abends mit heilen Knochen in der Friesenberghütte unser Bier trinken konnten, während draußen das Gewitter tobt.

4. Tag
Ein wohlverdienter Ruhetag
Heute gab es nur einen entspannten zweistündigen Abstieg zur Dominikushütte an der Staumauer des Schlegeisspeicher. Danach genossen wir Regen und Nebel den ganzen Tag.

5. Tag
Nach Südtirol
Bevor wir unsere vier letzten anstrengenden Etappen angehen, haben wir noch eine relativ entspannte Wanderung, die uns über 14 km und knapp 1.200 Höhenmeter nach Italien führt. Der Tag ist kalt, nass und nebelig, so dass die wärmende Soft Asylum Jacke von Jack Wolfskin nützliche Dienste leistet. Wir sind froh, dass wir uns nach dem Grenzübergang am Pitscher Joch in der Berghütte bei einer Minestrone wieder aufwärmen können. Nach einem ca. zweistündigen Abstieg erreichen wir unsere heutige Unterkunft; den Gasthof Stein.

6. Tag
Die Schmuggler-Etappe
Heute wandern wir bei sonnigem Wetter auf den Pfaden ehemaliger Schmuggler ca. 16 km von Stein nach Pfunders. Der erste Teil dieses Wandertages besteht aus einem Aufstieg (1.100 m) zur Gliederschartl auf 2.644 m. Zuerst beginnt der Aufstieg sehr gemäßigt durch schöne Wälder und dann durch ein grünes Tal. Allmählich wird es immer mühsamer, bis man auf dem letzten Stück um jeden Höhenmeter kämpft. Nach ca. 4 Stunden wird man jedoch wieder durch einen Superausblick entschädigt. Danach haben wir noch 1.500 m Abstieg vor uns. Der stellt zwar konditionell kein Problem dar, jedoch werden hierbei die Gelenke und Sehnen stark belastet.

7.Tag
Durch den Rodenecker Wald zur Kreuzwiese
Heute haben wir harte 23 km vor uns mit 1.700 Höhenmetern. Wir verlassen die Zentralalpen und wandern durch die Vorberge der Dolomiten. Der Tag startet leider mit einer 1stündigen Wanderung auf einer Autostrasse in Richtung Niedervintl. Die meisten Wanderer nehmen für diesen Abschnitt den Bus. Da wir "Puristen" sind und jeden Meter von München nach Venedig zu Fuß gehen, verzichten wir auf diese Möglichkeit. Der 3,5stündige Aufstieg zur Ronerhütte durch den Rodenecker Wald ist die Herausforderung dieses Tages, da der Weg querfeldein geht und schlecht markiert ist, so das man häufiger unfreiwillig Umwege läuft. Der Weg zu unserm Tagesziel, die sehr gut ausgestattete Kreuzwiesenhütte, ist dann nur noch eine angenehme Wanderung ohne größere Höhenunterschiede. Von hier aus haben wir einen fantastischen Blick auf das Massiv des Peitlerkofel, das im Sonnenuntergang glüht und die Herausforderung für unsere nächste Etappe darstellt.

8. Tag
Zur Schlüterhütte
In unser vorletzten Etappe haben wir einen 18 km - Tag mit ca. 2.000 Höhenmetern vor uns. Es ist eine lange Wanderung ohne größere Schwierigkeiten. Lediglich der Anstieg zur Peitlerscharte auf 2.357m lässt schon wieder Apfelschorle verdunsten. Ein bisschen nervig ist, dass die Gegend um den Peitlerkofel ein beliebter Ausflugsort ist und die Hütte am Würzjoch ziemlich touristisch ist.

9. Tag
Zum Grödnerjoch
Der letzte Tag unseres diesjährigen Tourabschnitts führt uns von der Schlüterhütte zum Grödnerjoch. Diese Etappe geht 19 km über 2.200 Höhenmeter durch hochalpines Gelände. Dieser Abschnitt erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit. Ich muss leider zugeben, dass ich, als ein Junge von der Küste und dem platten Land, an einigen Stellen (speziell am Kletterstieg) aufgrund meiner Höhenangst äußerste Probleme hatte. Meine beiden Berliner Wanderkollegen hatten allerdings keine Schwierigkeiten. Das lag wohl an der schroffen Berliner Bergwelt, in der sie trainiert hatten.
Die letzten zwei Stunden unserer Wanderung regnete es in Strömen. Ärgerlich ist, dass die Norrona-Jacke leider nicht regendicht ist und ich somit bis auf die Haut durchnässt bin. Erstaunlicher ist, dass der Cold Gear Mock von Under Armour mich in dieser Situation immer noch relativ warm hält.
Die Seilbahn am Grödnerjoch, die das diesjährige Ziel unseres Tourabschnitts ist und im nächsten Jahr unser Startpunkt sein wird, bringt uns nach Wolkenstein, von wo aus wir am nächsten Morgen unsere Heinreise antreten.

Wir haben nun mit 15 Tagesetappen über die Hälfte unseres München-Venedig-Trips geschafft und freuen uns auf die nächsten 7 Etappen in 2010, welche allerdings die anspruchsvollsten der Gesamttour werden.




Der Outdoor-Tester