Auf den Spuren des E5: Alpenüberquerung in 6 Etappen.
Informationen zum E5:
Der E5 gehört zu den klassischen europäischen Fernwanderwegen und führt auf einer Strecke von 470 km vom Bodensee bis nach Verona. Er gehört zweifellos zu den attraktivsten und abwechslungsreichsten Wanderwegen. Eine Tour auf dem E5 führt durch herrliche Blumenwiesen, dunkle Wälder und karge Alpinlandschaften und bietet atemberaubende Bergpanoramen.
Alpencross: Schnell – Atemberaubend – KnackigDie Überquerung der Alpen war auch für uns ein lang gehegter Wunsch, den wir uns in diesem Jahr unbedingt erfüllen wollten. Zwar waren wir schon in den unterschiedlichsten Regionen der Welt unterwegs, aber eine klassische Alpenüberquerung fehlte uns. Dies wollten wir im Juli 2010 unbedingt ändern. Mitte Juli war es dann so weit: Der Alpencross in sechs Etappen von Oberstdorf nach Meran startete.
Voraussetzung & Vorbereitung:
Die Überquerung der Alpen in der von uns gewählten Route des E5 verlangt zu keinem Zeitpunkt bergsteigerische Erfahrung. Jeder Leser unserer Tourenbeschreibung sollte sich jedoch im Klaren darüber sein, dass es sich um eine Alpenüberquerung handelt. Der Einsatz technischen Geräts ist zu keinem Zeitpunkt erforderlich. Erfahrung im Alpinbereich, Trittsicherheit, Schwindelfreiheit bei gesicherten Gehpassagen und eine gute Kondition sind jedoch Grundvoraussetzung. Gerade die über viele Stunden andauernden Abstiege verlangen eine entsprechende Ausdauer. Bei einer guten Grundkondition reicht in Abhängigkeit zum Alter eine zweimonatige Vorbereitung aus. Hierzu haben wir zwei bis drei Mal pro Woche ausgiebige Fahrradtouren, Lauftrainings und Probetouren von 30 Kilometern (auch mit gepacktem Rucksack) absolviert. Tipp: Neue Schuhe sollten vor der Alpenüberquerung gut eingelaufen sein und ersparen den Alpencrossern schmerzhafte Blasen. Als Faustformel gilt: mind. 100 km sollten die neuen Treter auf den Sohlen haben.
Kartenmaterial:Freytag & Berndt: Lechtaler - Allgäuer Alpen (WK 351) & Ötztal – Pilztal – Kanauertal – Wildspitze (WK 251)
Ausrüstung:
Der Grundsatz „weniger ist manchmal mehr“ sollten gerade ambitionierte Alpentourer beherzigen. Zu große Rucksäcke verleiten dazu, diese auch entsprechend mit vermeintlich notwendigem Zubehör vollzustopfen. Ein 40 Liter Rucksack reicht für eine einwöchige Hüttentour vollkommen aus. Das Gewicht sollte dabei nicht mehr als 10-12 Kilo betragen.
Da man sich bei einer Alpenüberquerung im hochalpinen Bereich bewegt, ist grundsätzlich bei der Auswahl der Oberbekleidung auf einen entsprechenden
UV-Schutz zu achten. T-Shirts, Hemden & Wanderhosen aus schnell trocknenden und atmungsaktiven Funktionstextilien zeigten sich auch auf dieser Tour gegenüber reiner
Baumwolle klar überlegen. Mit welcher Ausrüstung der Outdoortester seine Alpencrosser auf Tour schickte ist hier kurz aufgeschlüsselt:
- Berghaus Freeflowpro 40 Liter
- GoreTex-Regenjacke (Berghaus Proshell Jacke bzw. The North Face Heathen Jacket)
- Fleecejacke (Berghaus bzw. The North Face
Apex Elixir Softshell Jacke)
- 3 Paar Socken (TK 1 und TK 2)
- zwei kurzärmlige UV schützende Wanderhemden (Berghaus)
- zwei kurzärmlige UV schützende Wanderhemden (The North Face)
- Windstopper
Fleece-Handschuhe
- Funktionsunterwäsche (Boxershort /Unterhemd) The North Face Boxers (2) + S Crew Neck
- LED-Taschenlampe
- Flip-Flops (als Hüttenschuhe und für die Dusche)
- zwei Paar Zip-Hosen (Berghaus bzw. VauDe)
- Hüttenschlafsack (Seide)
- Kopftuch oder Schirmmütze mit 100% UV-Schutz
- Sonnenbrille
- Badehose
- Teleskop-Wanderstöcke
- Trinkflasche (Camelbak)
- erste Hilfe Paket (für Bergsportler) und Reiseapotheke (Tape zur Blasenbehandlung bzw. -verhinderung)
- Handy (hier nicht unbedingt das teure Smartphone mitnehmen)
- Wanderschuhe (Leder-GoreTex) mit Geröllschutz
- ggf. Regenhose
1. Etappe: Von Oberstdorf (814 m) zur Kemptner Hütte (1.844 m), ca. 16 km, 4 ½ Stunden
In den Morgenstunden erreichen wir den Bahnhof von Oberstdorf, von wo aus wir unsere Alpentour starten. Da wir die Zeit auf geteerten Straßen so kurz wie möglich halten möchten, entschließen wir uns, den Bus Richtung Rengsteg zu nehmen. Danach geht es vorbei am Christlesee (930 m) und Spielmannsau (983 m) hinauf zur Kemptner Hütte. Die Landschaft ist abwechslungsreich und führt durch Wälder. Das Wetter ist heiß und gleicht eher tropischem Klima. Unser Weg führt vorbei an riesigen Pestwurzblättern und Farnen.
Nachdem wir den Sperrbach überquert haben, wird die Landschaft fast schlagartig karger. Weite Geröllfelder und erste Schneefelder am Wegesrand zeigen uns, dass wir hier sind, um die Alpen zu überqueren. Es geht weiter durch den kurvigen und steilen Sperrbachtobel. Der Weg ist gut ausgebaut und wir passieren die ersten mit Stahlseilen gesicherten Wegstrecken. Diese sind bei Schneeeinbruch sicherlich hilfreich, da es rechts direkt steil hinab in einen Bach geht. Nach vier Stunden langsamen aber kontinuierlichem Anstieg sehen wir die Kemptner Hütte und nach 4,5 Stunden sind wir am Ziel. Da der E5 schon fast zu den meist frequentierten Fernwanderwegen gehört, hat es sich ausgezahlt, vorzubestellen. Wir beziehen unser Bettenlager und genießen den herrlichen Ausblick auf den Allgäuer Hauptkamm.
Informationen zur Kemptner Hütte (DAV-Hütte):
- 4, 5 und 8-Bettzimmer sowie kleine und große Matratzenlager.
- Hüttenschlafsäcke bzw. Jugendherbergsschlafsäcke (aus dünnem Leinen) werden aus hygienischen Gründen vom Deutschen Alpenverein vorgeschrieben.
Schlafsäcke sind auf der Hütte zum Kauf erhältlich.
Übernachtungspreise: DAV-Mitglieder: 8,- Euro (Bettenlager) bis 12,- Euro (Bett) pro Nacht,
Nichtmitglieder: 16,- Euro (Bettenlager) bis 24,- Euro (Bett) pro Nacht
Frühstück: 7,- Euro
Info: Hütten-HotlineAktuelle Informationen über die Begehbarkeit des Weges können unter der Nummer 08322/700152 abgerufen werden
Reservierungen: http://www.kemptner-huette.de
2. Etappe: Von der Kempner Hütte (1.844 m) zur Memminger Hütte (2.242 m), ca. 24 km, 9,5 Stunden
Am kommenden Morgen führt uns unsere zweite Etappe über die Landesgrenze nach Österreich. In acht Stunden geht es über das Mädelejoch und durch das Lechtal hinauf zur Memminger Hütte. Die Nacht war durchwachsen und der Schlaf war im großen Bettenlager eher spärlich. Wir starten bei kühlen Temperaturen gegen 07.00 Uhr. In südöstlicher Richtung führt uns der gut beschilderte Weg zunächst über das Mädelejoch (1.974 m). Das Joch stellt zugleich den Grenzübergang zwischen Deutschland und Österreich dar. Von nun an geht es die nächsten Stunden steil bergab. Die von Wind und Wetter gepeitschten Latschenkiefern säumen unseren Weg und der weiche Untergrund macht den Abstieg komfortabel.
Wir durchqueren den Nadelwald auf breiten Wanderwegen, vorbei an der Unteren Roßgumpelalm, weiter durch das V-förmige Höhenbachtal. Wer unterwegs eine Rast einlegen möchte, kann dies u.a. am Cafe Uta machen. Auf keinen Fall sollte der Wasserfall im Höhenbachtal verpasst werden. Der kleine Abstecher lohnt sich und eine Rast ist an dieser Stelle gerade bei heißem Wetter eine wahre Wohltat. Ein Sprung in das wannenförmige Becken ist jedoch nicht zu empfehlen, da das Wasser alpentypisch gefühlte 0 Grad aufweist. Weiter geht auf einer Fahrstraße an den Simms Wasserfällen vorbei nach Holzgau. Am Gasthof Bären bietet sich die Möglichkeit, mit einem örtlichen Taximonopolisten von Holzgau durch das Madautal bis zur Materialseilbahn der Memminger Hütte (1.449 m) zu fahren. Sicherlich eine komfortable Möglichkeit, die 19 Kilometer lange Land- und Teerstraße zu überbrücken. Der Preis ist unserer Einschätzung nach aber in keiner Weise gerechtfertigt. Bei einer Belegung mit 10 Passagieren verlangte der Taxifahrer immerhin noch 13,- Euro pro Fahrgast.
Unser Tipp: In Holzgau den Bus bis Bach nehmen - Kostenfaktor nur 1,80 Euro. Anschließend durch das Madautal Richtung Gasthof Hermine (1310 m). Die Freundlichkeit des Wirtes und das exzellente Essen sind auf jedem Fall einen Abstecher wert. Selten haben wir auf unserer Tour einen so leckeren Kaiserschmarren und eine so exzellente Gulaschsuppe gegessen.
Von der Materialseilbahn (1449 m) aus, müssen wir in drei Stunden gut 800 Höhenmeter überwinden. Der Anstieg ist durchweg steil und es geht eine atemberaubende Schlucht hinauf. Mit Altschneefeldern ist hier zu rechnen und wie uns andere Alpencrosser berichten, sind auch Schneefälle nicht ungewöhnlich. Wir befinden uns unterhalb des Seekogels (2412 m) und wandern weiter in den Bergkessel, in dem sich die Memminger Hütte befindet. Das Wetter beginnt umzuschlagen und Regenwolken ziehen auf. Erst auf dem zweiten Blick erkennen wir, dass wir nicht im Nebel sondern erstmals durch Wolken schreiten. Links vor uns weidet eine Herde Haflinger. Nach acht Stunden erreichen wir unser Tagesziel.
Die Memminger Hütte ist an diesem Tag stark überlaufen. Wir haben Glück und finden in einem kleinen Nothaus einen Platz für die Nacht. Eine Dusche sparen wir uns, da es so stark regnet, dass wir uns einfach unter die Dachrinne unseres Holzhauses stellen.
Informationen zur Memminger Hütte (DAV-Hütte):Sommersaison von Juni bis Ende September
Webseite: http://www.memminger-huette.at/
Übernachtungspreise: DAV-Mitglieder: 7,- Euro (Bettenlager) bis 9,- Euro (Bett) pro Nacht,
Nichtmitglieder: 14,- Euro (Bettenlager) bis 18,- Euro (Bett) pro Nacht
Frühstück: 7,- Euro
3. Etappe: Von der Memminger Hütte (2242 m) nach Zams (775 m), 16 km, ca. 8 Stunden
Am Morgen des dritten Tages starten wir wieder in der uns mittlerweile vertrauten Herrgottsfrühe. Heute erwartet uns eine der konditionell anspruchsvollsten Passagen.
Zunächst geht es an einem kleinen Gletschersee entlang. Im Anstieg sind zwar nur 350 Höhenmeter zu überwinden, jedoch haben es diese wahrlich in sich: steile, schmale und mit Stahlseilen gesicherte Etappen. Zugleich hat es sich durch den Starkregen der vergangenen Nacht an diesem Morgen empfindlich abgekühlt.
Unsere Outdoor-Uhr zeigt lediglich 7 Grad Celsius an. Die eingepackten Fleece- und Softshelljacken von Berghaus und The North Face kommen wieder zum Einsatz. Nach einer guten Stunde haben wir die Seescharte (2.599 m) überwunden. Nach einer kurzen Rast freuen wir uns auf den Abstieg, der selbst einem Wanderer mit guter Kondition einiges abverlangt. Dieser ist steil und fordert eine nicht zu unterschätzende Trittsicherheit. Nach gut einer Stunde büßt Thorsten durch einen Ausrutscher seine nagelneuen Leki-Stöcke ein – die einfach durchbrechen. Ultralight-Stöcke sind wohl nicht für Personen mit einem Gewicht von mehr als 90 kg konzipiert.
Dies kostet uns etwas an Geschwindigkeit, da gerade bei einem langanhaltenden Abstieg Wanderstöcke deutlich mehr Trittsicherheit und eine Entlastung für die Knie und Oberschenkelmuskulatur bedeuten. Nach einer weiteren Stunde ist es geschafft und wir kommen entlang eines Baches sehr gut voran. Über die Oberlochalm (1.799 m) und Unterlochalm (1.448 m) geht es weiter Richtung Inntal. Für 1,5 h bewegen wir uns jetzt auf einem zum Teil in den Berg gesprengten Wanderweg. Rechts vom Weg geht es steil hinunter zum Lochbachtal. Gegen 15.30 Uhr erreichen wir das Inntal und überqueren die Brücke über den Inn.
Tipp: Direkt am Rathaus befindet sich eine Informationssäule mit Telefonnummern von Hotels und Pensionen. Wir entscheiden uns für die Pension Stubenböck, die nur 2 Gehminuten von der Venetbahn entfernt ist. Die Pension ist ein echter Geheimtipp und bietet für 22,- Euro pro Person im Doppelzimmer eine erstklassige Unterkunft und ein hervorragendes Frühstück. Der Wirt lud uns direkt zum Schnaps ein.