Der Weg über die Alpen im Juli 2010 führte unsere Alpencrosser von Oberstdorf nach Meran. Hier die Fortsetzung ihres Tour-Berichts:
4. Etappe: Von Zams (775 m) über Wenns (982 m) zur Gletscherstube (1.891 m), 17 km, 8 Stunden.
Unsere vierte Etappe beginnt relativ locker und wir besteigen die erste Gondel. In 10 Minuten schaffen wir fast 1.500 Höhenmeter – ein Traum! Am Krahberg (2.208 m) angekommen, genießen wir den Ausblick über das atemberaubende Bergpanorama. Im Westen ist die Verwallgruppe und südlich das Pitzal zu sehen. Wir halten uns nur kurz auf und gehen auf dem Höhenweg zum Venetberg (2.512), über das Wannejöchl (2.497 m) und zum Kreuzjoch (2.464 m). Nach einer Stunde erreichen wir ohne große Anstrengungen die Larcher-Alm (1.418 m).
Hier lassen wir uns nieder und genießen frische Alpenmilch und einen Brotzeitteller. Nach einer halben Stunde jucken unsere Füße, denn wir wollen heute noch bis zur Gletscherstube in Mittelberg und müssen in Wenns noch für Thorsten ein Paar neue Wanderstöcke kaufen. Auf gut ausgebauten Wegen durch den Wald und durch Bergwiesen erreichen wir nach insgesamt 3 Stunden Wenns. Direkt vor dem Gasthof Pitztaler Hof liegt die Haltestelle des Postbusses. Wir lösen das Ticket und erleben eine rasante Fahrt mit der schnellsten Busfahrerin Tirols. Die Busfahrt dauert ca. eine Stunde und führt durch das gesamte Pitztal. Nach weiteren 30 Minuten leichtem Aufstieg erreichen wir die Gletscherstube (1.891 m). Die Übernachtung in der Gletscherstube kostet 14,- Euro – dafür erhalten wir ein komfortables Etagenbett und eine Dusche – leider ist das Essen nicht ganz so toll.
5. Etappe: Von der Gletscherstube (1.891 m) nach Vent im Ötzal (1.896 m), 19 km, 9 Stunden
Heute heißt unser Tagesziel Vent im Ötztal. Zunächst führt uns unser Weg 1000 Höhenmeter hinauf zur Braunschweiger Hütte (2.760 m). In gut drei Stunden kämpfen wir uns auf unterschiedlichen Wegstrecken hoch: Von einem gut ausgebauten breiten Versorgungsweg, über mit Stahlketten gesicherte Passagen und Geröllstrecken bietet in dieses Teilstück alles, was das Herz eines Alpencrossers begehrt. Auf der Braunschweiger Hütte machen wir kurz Rast, um uns für den Endspurt vorzubereiten. Mit dem Pitztaler Jöchl (in 2.996 Metern Höhe) wollen wir in gut einer Stunde den zweithöchsten Punkt unserer Wanderung erreichen und den klassischen E5 Richtung Bozen verlassen. Doch zunächst geht es hinter der Braunschweiger Hütte über riesige Felsplatten noch gemütlich bergauf. Uns bietet sich ein Blick auf ein einzigartiges Gletschergebiet. Danach werden wir eine der anspruchsvollsten Strecken der Alpenüberquerung zu meistern haben.
Der Anstieg und die Überquerung des Pitztaler Jöchls sollte generell nur bei gutem Wetter durchgeführt werden. Schwindelfreiheit bei der Umgehung bzw. Ersteigung – es handelt sich durchweg um gesicherte und zum Teil leicht absturzgefährdete Passagen – sind Grundvoraussetzung für diesen Teil. Bei Schneefall oder Nebel ist eine Ersteigung nach unserer Einschätzung nicht zu empfehlen. Beim Abstieg zum Parkplatz des Tiefenbachferners verpassen wir den Wanderweg und durchqueren ein Schneefeld. Wir gehen langsam und versuchen, uns anhand der Markierungsstangen auf sicherem Boden zu bewegen. Aber es nützt nichts – jeder von uns versinkt zum Teil bis zum Oberschenkel im Schnee oder macht eine ungewollte kleine Rutschpartie. Trotz des Schnees kommen wir gut ins Schwitzen und erreichen nach ca. 45 Minuten den Parkplatz des Tiefenbachferners. Von dort aus nehmen wir einen Bus durch den Rosi Mittermaier Tunnel und erreichen nach ein paar Minuten den Parkplatz der trostlosen Sesselliftstation des Rettenbachfernes, den wir schnell verlassen, um uns auf einem Höhenweg Richtung Vent zu bewegen. Dieser ist im Abstieg äußerst flach, zählt aber zu einem der schönsten und auch längsten Höhenwege auf der gesamten Tour. Nach drei Stunden haben wir Vent erreicht und begeben uns geschafft im Ortszentrum zur Touristeninformation. Dort buchen wir uns in einer kleinen Pension für 23,- Euro pro Person inkl. Frühstück ein.
6. Etappe: Von Vent (1.896 m) über die Martin-Busch-Hütte (2.501 m) und die Similaun Hütte (3.019 m) nach Vernagt in Südtirol, 19 km, 8 Stunden
An diesem Tag wird unsere Alpenüberquerung in Vernagt in Südtirol enden. Unser ursprünglicher Plan, auf der Similaun Hütte zu übernachten und noch den Similaun Gletscher zu besteigen, müssen wir leider ad acta legen. Nach Auskunft des Hüttenwirts hätten wir für eine Übernachtung vier Monate eher reservieren müssen. Da es sich um eine Privathütte handelt, kommen wir leider auch mit unseren DAV-Mitgliedsausweisen nicht weiter. Somit wird unsere Wanderung am heutigen Tag enden.
Der Weg Richtung Martin-Busch-Hütte ist kaum zu verfehlen. Nach zwei Stunden auf einem gut ausgebauten Geröllweg, erreichen wir die von der DAV-Sektion Berlin geführte Hütte in 2.501 Metern Höhe. Nachdem wir lange an grünen Almwiesen vorbei gingen, verändert sich die Landschaft wieder in eine karge Gerölllandschaft.
Wir kommen weiterhin gut voran, fühlen uns inmitten der Schuttlandschaft aber unweigerlich wie Astronauten, die im Tal einer Mondmission unterwegs sind. Auf 2.700 Meter stoßen wir erstmals auf einen Gletscher. Der Untergrund besteht aus einer Mischung von Eis und kleinen Steinen. Steigeisen oder Seile sind nicht erforderlich, aber unsere Wanderstöcke möchten wir nicht missen. Mit der Similaun Hütte am Niederjoch (3.019 m) erreichen wir den höchsten Punkt unserer gesamten Wanderung. Carsten entschließt sich, mit einer befreundeten Gruppe noch einen Ausflug zum Ötzi-Denkmal (3.219 m) zu machen. Für diese 4 km sind gut zwei Stunden für den Hin- und Rückweg einzuplanen.
Am frühen Nachmittag starten wir unseren Abstieg Richtung Vernagt. Der Weg ist nicht zu unterschätzen, felsig und zum Teil ausgesetzt. Ein Ausrutscher kann hier teuer zu stehen kommen! Kurz nachdem wir wieder grüne Almwiesen erreichen, beginnt es wie aus Eimern zu schütten. Endlich können wir die The North Face- und Berghaus-Regenjacken einem ausgiebigen Härtetest unterziehen. Wie zu erwarten war, halten uns beide Jacken von außen trocken.
Tipp: Am Tiesenhof unbedingt einkehren und sich an typischen Südtiroler Speisen laben. Wer dann nicht mehr weiter möchte, kann wie Heidi und Ziegenpeter in alten Holzbetten auf der Tenne übernachten.
Unsere Weiterfahrt müssen wir auf den nächsten Tag verschieben, da eine Schlammlawine die einzige Straße des Ortes unpassierbar machte. So bleiben wir noch einen Tag länger in Vernagt und reisen am kommenden Tag, da immer noch keine Busse fahren, per Anhalter nach Naturno und von dort mit dem Zug nach Meran (Fahrzeit ca. 90 Minuten).
Unser Ziel: Meran
Meran bietet in jeder Preisklasse Übernachtungsmöglichkeiten. Erste Anlaufstelle ist auch hier die Touristenzentrale (http://www.meran.eu) im Zentrum von Meran. Der Preis für eine Übernachtung richtet sich nach der Qualität der Pension bzw. des Hotels. Ein Doppelzimmer kostet inkl. Frühstück ca. 70,- Euro. Wer es komfortabler haben möchte, kann eines der vielen Wellness-Hotels besuchen, die aber auch ihren Preis haben: 180,- bis 250,- Euro pro Doppelzimmer inkl. Frühstück.
Unser Tipp: Eine günstige Pension tut es für eine Nacht auch. Ein Besuch der Meraner Therme (http://www.thermemeran.it) ist sehr zu empfehlen. Hier kann sich der geschundene Alpencrosser in unterschiedlichen Preisklassen verwöhnen lassen. Selbst unter der Woche sind die Wellnessangebote stark ausgebucht und es empfiehlt sich, die Angebote im Voraus zu buchen.